Konstanze

Was die BWA eines Maurerbetriebs zeigt. Und was noch im Rohbau steckt.

Kostenlos und ohne Konto. Konstanze liest die BWA Ihres Steuerbüros wie ein Betriebsberater, der Baustellen kennt.

Kostenlos, ohne Konto. Das Ergebnis steht nach etwa einer Minute.

Eine Rohbauwand aus Papier in Seitenansicht, senkrecht, mit einer Türöffnung und einer frisch betonierten Decke obenauf, rechts daneben eine Messlatte mit drei Marken: oben „gemauert“, darunter „in Rechnung“, unten „auf dem Konto“. Das Stück der Latte zwischen der obersten und der untersten Marke ist rot eingekringelt mit der Notiz „52.000 auf der Baustelle“. gemauert in Rechnung auf dem Konto 52.000 auf der Baustelle

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Was Konstanze in der BWA eines Maurerbetriebs liest

Die Zeile „Bestandsveränderung“. Ein Rohbau wächst über Monate, und an jedem Stichtag stecken Steine, Beton, Nachunternehmer und Löhne in Wänden, für die noch keine Rechnung geschrieben ist. Steht die Zeile auf null, sagt Konstanze, wie schief das Bild dadurch wird.

Material und Fremdleistungen, getrennt und zusammen. Steine und Beton sind Material. Erdarbeiten, Gerüst, Kran mit Fahrer und die Fertigteildecke mit Montage sind Fremdleistungen in einer eigenen Zeile. Konstanze liest beide gegen das Vorjahr. Neben den Richtsatz des Finanzamts legt sie nur die Summe, weil dort beides in einer Zahl steckt.

Den Umsatz gegen den Vorjahresmonat, nicht gegen den Vormonat. Ein Baujahr hat einen Winter, mit Saison-Kurzarbeit von Dezember bis März. Minus 40 Prozent gegenüber November sagt nichts, minus 40 gegenüber dem Januar des Vorjahres schon.

Den Lohn des Inhabers und das Gerät. Beim Einzelunternehmen und bei der GbR steht der Lohn in keiner Zeile. Stehen Abschreibungen auf Kran und Schalung unterjährig auf null, ist das Ergebnis eher zu gut. Konstanze sagt beides, bevor sie einordnet.

Dazu die Kennzahlen gegen das Vorjahr, sechs Sätze zur Lage und die Fragen für das nächste Gespräch mit dem Steuerbüro. Nach etwa einer Minute.

Sechzehn Prozent wie im Richtsatz, und der Kontokorrent ist am Rahmen

Juni-BWA, Maurerbetrieb, Einzelunternehmen: der Meister, ein Polier, vier Maurer, ein Azubi. Umsatz Januar bis Juni 640.000 Euro, vorläufiges Ergebnis 102.000 Euro.

Das sind 16 Prozent. Genau der Mittelwert, den das Finanzamt für Bauunternehmen dieser Größe ansetzt.

Erster Gedanke: Passt.

Zweiter Gedanke, beim Blick aufs Konto: Der Kontokorrentrahmen ist seit April ausgeschöpft. Zwei Baustellen im Halbjahr, der Anbau einer Werkhalle seit Mai fertig, ein Einfamilienhaus bis zur Decke über dem Erdgeschoss. BWA und Konto erzählen davon zwei Geschichten.

Ein Rohbau hat drei Zahlen. Die BWA zeigt eine davon.

Das Einfamilienhaus: Rohbau mit Materiallieferung, Auftragssumme 240.000 Euro, Baubeginn März. Ende Juni stehen Keller und Erdgeschoss, die Decke darüber ist betoniert. Nach Vertragspreisen sind 160.000 Euro gebaut.

In Rechnung gestellt sind 120.000 Euro, zwei Abschläge nach Bautenstand. Der dritte, für die Decke, geht im Juli raus.

Auf dem Konto sind 108.000 Euro. Beim Verbraucherbauvertrag, dem Normalfall beim Einfamilienhaus, steht dem Bauherrn eine Sicherheit von 5 Prozent der Gesamtvergütung zu, meist als Einbehalt vom ersten Abschlag. Alle Abschläge zusammen dürfen 90 Prozent der Auftragssumme nicht übersteigen, der Rest kommt mit der Schlussrechnung.

Rechenstreifen für den Rohbau eines Einfamilienhauses, Stand 30. Juni: Gemauert und betoniert nach Vertragspreisen 160.000, davon in Rechnung gestellt 120.000, davon auf dem Konto 108.000, unter dem Summenstrich 52.000 noch auf der Baustelle, rot eingekringelt, Randnotiz „gemauert, nicht bezahlt“ Rohbau Einfamilienhaus, Stand 30. Juni Gemauert und betoniert, nach Vertragspreisen 160.000 davon in Rechnung gestellt 120.000 davon auf dem Konto 108.000 noch auf der Baustelle 52.000 gemauert, nicht bezahlt

Welche der drei Zahlen in der Juni-BWA steht, entscheidet der Kontenrahmen des Steuerbüros. Bei unserem Meister stehen Abschläge als Umsatz drin, also 120.000 Euro aus diesem Bau. Andere Büros buchen sie als erhaltene Anzahlungen, dann steht dort null bis zur Schlussrechnung. Die Kosten für den ganzen Bautenstand stehen in beiden Fällen schon drin.

Die BWA kennt keine Baustelle, nur Rechnungen.

Beim Anbau der Werkhalle ist es umgekehrt. Abgerechnet im Mai mit 180.000 Euro, voller Umsatz in der BWA. Auf dem Konto fehlen davon 5 Prozent Sicherheit für Mängelansprüche, nach VOB/B auf einem Sperrkonto, zwei Jahre lang. Und die Schlussrechnung selbst ist Ende Juni noch offen. Jedes fünfte Bauunternehmen nannte in der Herbstumfrage 2025 des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes Zahlungsverzögerungen der Auftraggeber als Behinderung. Wie weit Ergebnis und Konto auseinanderlaufen können, zeigt Gewinn in der BWA, Konto leer.

Die Decke ist betoniert und steht in der BWA als Kosten

Von den 160.000 Euro Bautenstand sind 40.000 noch auf keiner Rechnung. Die Steine, der Beton, die Fertigteildecke und die Löhne dafür stehen in der Juni-BWA trotzdem, bei Material, Fremdleistungen und Personal.

Rund 30.000 Euro Kosten, ohne den Umsatz dazu.

Die Zeile, die das ausgleicht, heißt „Bestandsveränderung“, bei manchen Steuerbüros „unfertige Leistungen“. Viele buchen sie nur im Jahresabschluss, weil der Betrieb ihnen monatlich keinen Bautenstand liefert.

Im Hochbau ist diese Lücke größer als irgendwo sonst im Handwerk. Bei Hochbaubetrieben mit 20 bis 49 Leuten stand zum Jahresende ein Bestand an eigenen Erzeugnissen von 44 Prozent eines Jahresumsatzes in den Büchern, erhoben vom Statistischen Bundesamt. Die Zahl enthält auch Häuser zum Verkauf, aber die Größenordnung stimmt: fast ein halbes Jahr Umsatz zwischen Baustelle und Rechnung.

Das Finanzamt ist da eindeutig: In der Richtsatzsammlung zählen angefangene Arbeiten zu Verkaufspreisen zum Umsatz. Eine Juni-BWA ohne Bestandsveränderung lässt sich darum mit keinem Richtsatz vergleichen, egal wie gut die 16 Prozent aussehen.

Der Nachunternehmer steht in der BWA in einer eigenen Zeile. Im Richtsatz nicht.

Die Baugrube hat ein Nachunternehmer ausgehoben, das Gerüst kommt vom Gerüstbauer, der Kran mit Fahrer vom Vermieter, die Elementdecke mit Montage vom Fertigteilwerk. Das ist kein Material. In der BWA heißt es „Fremdleistungen“, eine eigene Zeile unter dem Material.

Bei Hochbaubetrieben mit 20 bis 49 Leuten gehen 27 Prozent des Umsatzes für Material weg und 30 Prozent für Fremdleistungen, erhoben vom Statistischen Bundesamt. Für kleinere Betriebe gibt es diese Zahl nicht, die Zeile lohnt den Blick trotzdem.

Die Richtsatzsammlung des Bundesfinanzministeriums rechnet anders. Sie kennt keine Klasse für Maurer, sondern „Bauunternehmen mit Materiallieferung“, und ihr Materialeinsatz enthält laut Vorbemerkung ausdrücklich die Werkleistungen fremder Unternehmen. Die 38 Prozent in der obersten Umsatzklasse sind Material und Nachunternehmer zusammen.

Zwei Blattausschnitte nebeneinander: links die Juni-BWA mit den Zeilen Umsatzerlöse 640.000, Material-/Wareneinkauf 198.000 und Fremdleistungen 141.000, rechts der Richtsatz Bauunternehmen (mit Materiallieferung) über 500.000 Euro mit der Zeile Materialeinsatz 38 Prozent und dem Zusatz „enthält Werkleistungen fremder Unternehmen“, links fasst ein roter Strich Material und Fremdleistungen zusammen, Randnotiz „zusammen 53 %, so vergleichen“ Juni-BWA Umsatzerlöse 640.000 Material-/Wareneinkauf 198.000 Fremdleistungen 141.000 Richtsatz Bauunternehmen (mit Materiallieferung) über 500.000 EUR Umsatz Materialeinsatz 38 % enthält Werkleistungen fremder Unternehmen zusammen 53 %, so vergleichen

Wer nur die Materialzeile neben die 38 legt, liest bei unserem Meister 31 Prozent und ist zufrieden. Material und Fremdleistungen zusammen sind 53 Prozent, und das ist die Zahl, die neben den Richtsatz gehört. Wer umgekehrt die Fremdleistungen des Statistischen Bundesamts auf den Richtsatz addiert, zählt die Nachunternehmer doppelt.

Ob die Fertigteildecke mit Montage bei Ihnen als Material oder als Fremdleistung steht, entscheidet der Kontenrahmen Ihres Steuerbüros. Für den Richtsatz ist das egal.

Das Finanzamt erwartet 16 Prozent, vor dem Lohn des Meisters

Das Bundesfinanzministerium veröffentlicht jedes Jahr die Richtsatzsammlung: amtliche Spannen für Rohgewinn und Reingewinn je Gewerbeklasse, gewonnen aus Betriebsprüfungen. Das Finanzamt verprobt damit, ob die Zahlen eines Betriebs plausibel sind. Für Bauunternehmen mit Materiallieferung gibt es drei Umsatzklassen.

Streifen aus der Richtsatzsammlung 2025 für Bauunternehmen (mit Materiallieferung): bis 200.000 Euro Umsatz Rohgewinn 77 Prozent und Reingewinn 38 Prozent mit der Spanne 17 bis 56, 200.000 bis 500.000 Euro Rohgewinn 71 und Reingewinn 25 mit der Spanne 7 bis 46, über 500.000 Euro Rohgewinn 62 und Reingewinn 16 mit der Spanne 4 bis 30, die 16 rot eingekringelt, Randnotiz „vor dem Lohn des Meisters“ Richtsatzsammlung 2025, Bauunternehmen (mit Materiallieferung) bis 200.000 EUR Rohgewinn 77 % Reingewinn 38 % Spanne 17 bis 56 200.000 bis 500.000 EUR Rohgewinn 71 % Reingewinn 25 % Spanne 7 bis 46 über 500.000 EUR Rohgewinn 62 % Reingewinn 16 % Spanne 4 bis 30 vor dem Lohn des Meisters

Reingewinn heißt dort, was in der BWA ungefähr das vorläufige Ergebnis ist. Mit einer Besonderheit: Die Richtsätze unterstellen, dass der Inhaber unentgeltlich mitarbeitet. Die 16 Prozent sind das, was dem Meister als Lohn, Altersvorsorge und Gewinn zusammen bleiben.

Bevor die 16 Prozent unseres Meisters neben den Richtsatz dürfen, fehlen drei Buchungen, jede in eine andere Richtung. Die Kosten im nicht abgerechneten Teil des Rohbaus machen das Ergebnis zu schlecht. Die Abschreibungen auf Kran, Schalung und Radlader, bei seinem Steuerbüro erst im Abschluss, machen es zu gut. Und was ein angestellter Meister an seiner Stelle kosten würde, als Annahme 6.000 Euro im Monat mit Arbeitgeberanteil, steht in keiner Zeile.

  1. Vorläufiges Ergebnis Januar bis Juni102.000 EUR
  2. Material, Nachunternehmer und Löhne im Rohbau, gebucht und nicht abgerechnet30.000 EUR
  3. Abschreibungen Kran, Schalung, Radlader, 6 Monate, nicht gebucht-15.000 EUR
  4. Meisterlohn, 6 Monate je 6.000 EUR-36.000 EUR
  5. Bleibt für den Betrieb81.000 EUR

81.000 Euro statt 102.000. Keine der drei Zahlen steht in der Juni-BWA, und eine davon kennt nur der Betrieb selbst: den Bautenstand. Warum der Lohn in keiner Zeile steht, erklärt Ihr Betriebsergebnis ist Ihr Gehalt. Bei einer GmbH steht er schon in den Personalkosten, und die Zahl darunter passt neben die 16 Prozent erst, wenn das Gehalt wieder dazugerechnet ist.

Legen Sie den Bautenstand neben die BWA

Erstens die Zeile „Bestandsveränderung“ oder „unfertige Leistungen“. Steht sie auf null, und steht auf einer Ihrer Baustellen ein Kran, dann fehlt der Ausgleich zwischen Kosten und Rechnung. Material, Nachunternehmer und Löhne in den nicht abgerechneten Wänden sind die Zahl, um die das Ergebnis zu schlecht ist.

Zweitens „Material-/Wareneinkauf“ und „Fremdleistungen“. Einzeln gegen die Spalte Vorjahr, in Prozent vom Umsatz: Wächst eine der beiden schneller als der Umsatz, ist das der Rohertrag, der fehlt. Neben den Richtsatz gehört nur die Summe der beiden.

Drittens der Kopf der BWA und die Zeile „Abschreibungen“. Steht im Kopf e.K., GbR oder Ihr Name, fehlt Ihr Lohn in den Kosten. Steht bei Abschreibungen null, fehlt Ihr Gerät. Beides macht das Ergebnis zu gut, bevor Sie es neben die 16 Prozent legen.

Konstanze geht diese drei Stellen bei jeder BWA durch, die Sie hier ablegen, und fragt nach dem, was im Blatt nicht steht.

Häufige Fragen

Kennt Konstanze die Zahlen von Maurerbetrieben?

Die Einordnung vergleicht Ihre BWA mit Ihrem eigenen Vorjahr, Zeile für Zeile. Die Richtsätze des Bundesfinanzministeriums und die Kostenstruktur des Statistischen Bundesamts stehen auf dieser Seite, damit Sie sie daneben legen können. Sechs von sieben Maurerbetrieben haben weniger als 20 Leute, und für die haben wir keinen öffentlichen Betriebsvergleich gefunden. Ein Branchenvergleich aus anonymisierten BWAs anderer Maurerbetriebe ist der nächste Schritt und wird hier angekündigt.

Mein gewerblicher Auftraggeber hat 15 Prozent Bauabzugsteuer einbehalten. Ist das ein Aufwand?

Nein. Der einbehaltene Betrag wird auf Ihre Steuern angerechnet und steht in keiner Kostenzeile der BWA. Aufs Konto kommen 85 Prozent der Rechnung, die Differenz ist eine Forderung ans Finanzamt. Mit einer Freistellungsbescheinigung entfällt der Abzug, ebenso bei Zahlungen unter 5.000 Euro im Jahr. Dasselbe gilt umgekehrt für die Rechnungen Ihrer Nachunternehmer, bei denen Sie der Auftraggeber sind.

Meine Personalkosten sind höher als beim Ausbaubetrieb nebenan. Woran liegt das?

An den Kassen des Bauhauptgewerbes. Für gewerbliche Arbeitnehmer zahlt der Betrieb seit Juli 2026 im Westen 19,8 Prozent des Bruttolohns an die SOKA-BAU, für Urlaub, Berufsbildung und Zusatzversorgung. Die Urlaubsvergütung zahlen Sie aus und bekommen sie erstattet, in einem anderen Monat und je nach Steuerbüro in einer anderen Zeile. In welcher, ist eine Frage für das nächste Gespräch, ebenso beim Saison-Kurzarbeitergeld von Dezember bis März.

Wir bauen auch eigene Häuser zum Verkauf. Gilt diese Seite für uns?

Nur zur Hälfte. Beim Bauträgergeschäft stehen Grundstück und Gebäude als Vorrat in den Büchern, und der Umsatz kommt erst mit dem Verkauf, oft Jahre nach dem ersten Stein. Die BWA sieht dann anders aus als die eines Betriebs mit Kundenaufträgen. Für den Teil Ihres Betriebs, der für Bauherren mauert, gilt, was hier steht.

Was passiert mit meiner BWA?

Sie wird automatisiert in der EU verarbeitet. Das Original wird nach der Auswertung gelöscht. Gespeichert bleibt eine Fassung ohne Firmenname und mit verfremdeten Beträgen, für die Verbesserung des Dienstes und anonyme Branchenvergleiche. Welche Anbieter beteiligt sind, steht in der Datenschutzerklärung.

Was kostet das, und was kommt danach?

Nichts, ohne Konto und ohne Testphase, die abläuft. Die Auswertung steht nach etwa einer Minute, bleibt 24 Stunden unter ihrem Link erreichbar und lässt sich als PDF sichern.

BWA auswerten Kostenlos, ohne Konto.

Quellen

Alle abgerufen am 26.10.2026.