Ihr Betriebsergebnis ist Ihr Gehalt
September-BWA, Dachdecker, Einzelunternehmen mit zwei Gesellen und einem Azubi. Betriebsergebnis 61.000 Euro, 22 Prozent der Gesamtleistung. Der Meister liest die Zahl zweimal und denkt: gutes Jahr.
Drei Monate fehlen noch, aber die Richtung passt. Abschreibungen sind gebucht, die Summen gehen auf. Was soll an der Zahl falsch sein?
Nichts. Sie heißt nur anders, als er denkt.
Von den 61.000 Euro bezahlt er sich selbst, seine Krankenversicherung, seine Altersvorsorge und seine Einkommensteuer. Was danach übrig ist, hat sein Betrieb verdient. Die BWA kennt diese Zahl nicht.
Ihr Lohn steht in keiner Zeile
Die betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA) zählt auf, was der Betrieb kostet: Material, Fremdleistungen, Personal, Raum, Fahrzeuge. Die beiden Gesellen und der Azubi stehen in der Zeile „Personalkosten“. Der Meister steht nirgends.
Beim Einzelunternehmen ist sein Lohn kein Aufwand. Er entnimmt Geld aus dem Gewinn, über das Privatkonto der Buchhaltung, und die Erfolgsrechnung merkt davon nichts. Tilgung und Einkommensteuer fehlen dort genauso, dazu mehr in Gewinn in der BWA, Konto leer.
Das Betriebsergebnis eines Einzelunternehmens ist Gehalt und Gewinn in einer Zahl.
Das verschiebt auch die Personalkostenquote, also Personalkosten geteilt durch Gesamtleistung. Die Strukturumfrage des Zentralverbands des Deutschen Handwerks nennt für Betriebe mit zwei bis vier Beschäftigten rund 36 Prozent, für fünf bis neun knapp 40 Prozent. In beiden Werten fehlt bei Einzelunternehmen der Inhaber.
Die Quote unseres Dachdeckers sieht also schlanker aus, als sein Betrieb ist.
Bei Dachdeckern bleiben nach dem Meistergehalt 1,5 Prozent
Wie viel der fehlende Lohn ausmacht, hat die Landes-Gewerbeförderungsstelle des nordrhein-westfälischen Handwerks (LGH) für das Dachdeckerhandwerk gerechnet. Sie setzt den Inhabern einen kalkulatorischen Unternehmerlohn an, also das, was ein angestellter Meister an ihrer Stelle kosten würde. Im Durchschnitt stehen 7,6 Prozent Betriebsergebnis auf dem Blatt, nach kalkulatorischen Kosten noch 1,5 Prozent.
In Betrieben mit weniger als fünf Beschäftigten wird aus dem Plus ein Minus von 1,4 Prozent.
Die LGH rechnet je Inhaber mit 56.000 bis 73.000 Euro im Jahr, je nach Größenklasse, angelehnt an das Gehalt eines angestellten Meisters. In den kleinsten Betrieben sind das 16,1 Prozent der Betriebsleistung, bei fünf bis zehn Beschäftigten 9,7 Prozent.
Je kleiner der Betrieb, desto mehr vom Ergebnis ist der Inhaber selbst.
Was die BWA eines Dachdeckerbetriebs sonst noch verschiebt, von der Winterlücke bis zum vorfinanzierten Material, steht auf der Seite BWA verstehen für Dachdecker.
Die 7,6 Prozent sind kein schlechter Wert, und die 1,5 Prozent sind kein Urteil.
Die beiden Zahlen trennen nur, was im Ergebnis die Arbeit des Inhabers ist und was der Betrieb darüber hinaus verdient. Ein Betriebsberater der Handwerkskammer stellt genau diese Frage als eine der ersten, nachzulesen in Ein Betriebsberater liest eine fremde BWA in sieben Blicken.
Ein Meister kostet rund 6.000 Euro im Monat
Zurück zu unserem Dachdecker. Was würde ein angestellter Meister kosten, der seine Arbeit macht? Die Tariftabelle Sanitär, Heizung, Klima in NRW nennt für Meister rund 3.300 bis 5.200 Euro brutto im Monat. Dazu kommt der Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung, als Faustregel rund 20 Prozent obendrauf.
Er setzt sich ans obere Ende: 5.000 Euro brutto, mit Arbeitgeberanteil 6.000 Euro im Monat. Neun Monate sind gebucht.
Vom Betriebsergebnis bleiben 7.000 Euro, das sind 2,5 Prozent der Gesamtleistung.
Gutes Jahr? Für den Meister ja. Für den Betrieb knapp.
Die Annahme gehört Ihnen
Wer lieber mit 4.000 Euro brutto rechnet, kommt woanders heraus.
- Meistergehalt brutto je Monat4.000 EUR
- Arbeitgeberanteil rund 20 %+800 EUR
- Unternehmerlohn 9 Monate43.200 EUR
- Betriebsergebnis Januar bis September61.000 EUR
- Bleibt für den Betrieb17.800 EUR
Beide Rechnungen sind richtig. Die Annahme muss nur sichtbar neben der Zahl stehen und nicht versteckt in einem Urteil über den Betrieb.
Arbeiten zwei Inhaber mit, zählt der Ansatz zweimal. Arbeitet einer halbtags, zählt er zur Hälfte. Bei einer GbR oder OHG teilen sich die Gesellschafter das Ergebnis, und auch dort steht keiner von ihnen in den Kosten.
Der Sicherheitsabstand schrumpft auf 4 Prozent
Der Break-even ist die Gesamtleistung, bei der der Betrieb seine Kosten gerade deckt. Aus der BWA lässt er sich nähern: Material und Fremdleistungen wachsen mit dem Umsatz, alles andere gilt als fest. Der Rohertrag, also Gesamtleistung minus Material und Fremdleistungen, muss die festen Kosten tragen. Feste Kosten geteilt durch die Rohertragsquote, fertig.
Für unseren Dachdecker liegt die Schwelle ohne seinen Lohn bei rund 178.700 Euro. Sein Betrieb liegt 35,5 Prozent darüber, das wirkt wie ein breites Polster.
Jetzt mit Lohn.
- Gesamtkosten Januar bis September111.000 EUR
- Unternehmerlohn 9 Monate+54.000 EUR
- Feste Kosten mit Lohn165.000 EUR
- Geteilt durch die Rohertragsquote von 62,1 %, Break-even265.700 EUR
- Gesamtleistung bisher277.000 EUR
- Sicherheitsabstand4,1 %
Fällt im Winter ein Auftrag von 12.000 Euro weg, liegt das Betriebsergebnis unter dem Meistergehalt.
Mit den Durchschnittswerten der LGH für Dachdecker ergibt dieselbe Näherung 12 Prozent Abstand ohne und 2,4 Prozent mit kalkulatorischen Kosten. Die Näherung ist grob, weil Personal nur kurzfristig fest ist. Bei einer BWA ohne gebuchte Abschreibungen ist sie noch gröber, siehe Bevor Sie den Zahlen glauben.
Ein Sicherheitsabstand, der nur ohne den eigenen Lohn breit aussieht, ist nicht breit.
Als GmbH hätte er die Zahl nie gesehen
Wäre der Betrieb eine GmbH, wäre der Meister ihr angestellter Geschäftsführer. Sein Gehalt stünde in den Personalkosten, Monat für Monat, bevor das Betriebsergebnis überhaupt entsteht. In der September-BWA stünden dann 7.000 Euro, 2,5 Prozent, und der erste Gedanke wäre ein anderer.
Derselbe Betrieb, dieselbe Arbeit, dieselben Dächer. Nur die Personalkostenquote wäre höher und das Ergebnis kleiner.
Darum sind 3 Prozent bei einer GmbH mehr wert als 3 Prozent beim Einzelunternehmen. Die GmbH hat ihren Geschäftsführer schon bezahlt, das Einzelunternehmen seinen Inhaber noch nicht.
Die synthetische Muster-BWA eines Elektrobetriebs als GmbH zeigt 9,5 Prozent Betriebsergebnis, nach dem Gehalt des Geschäftsführers. Neben den 22 Prozent des Dachdeckers sagt das nichts, bis dessen Lohn abgezogen ist. Der Vergleich quer über die Rechtsform ist einer der zehn häufigsten Fehler beim Lesen einer BWA.
Ob die GmbH für ihn die bessere Form wäre, steht auf einem anderen Blatt, mit Steuern, Haftung und Beratung darauf. Die BWA beantwortet das nicht, und wir auch nicht. Sie zeigt nur, welche Form Sie vor sich haben, im Kopf der Seite. „GmbH“ oder „UG (haftungsbeschränkt)“ heißt, das Gehalt ist in den Kosten. „e.K.“, „GbR“, „OHG“ oder ein Personenname mit Gewerk heißt, es fehlt.
Die Rechnung mit Ihrer eigenen BWA
Erstens der Kopf der BWA. Steht dort keine GmbH und keine UG, fehlt Ihr Lohn in den Kosten, und das Betriebsergebnis ist Gehalt plus Gewinn.
Zweitens Ihr Monatsbetrag, das Bruttogehalt eines angestellten Meisters plus rund 20 Prozent. Mal die Monate der kumulierten Spalte, abgezogen vom Betriebsergebnis. Den Rest hat Ihr Betrieb über Ihre Arbeit hinaus verdient. Ist er negativ, hat der Betrieb bis hierhin weniger verdient, als ein angestellter Meister gekostet hätte.
Drittens die Zeile „Gesamtkosten“ plus Ihren Unternehmerlohn, geteilt durch die Rohertragsquote. Das ist die Gesamtleistung, ab der Ihr Gehalt gedeckt ist. Der Abstand zur Zeile „Gesamtleistung“ in Prozent ist Ihr Sicherheitsabstand, mit Lohn.
Häufige Fragen
Warum steht mein Gehalt nicht in der BWA?
Beim Einzelunternehmen und bei der Personengesellschaft ist der Inhaber kein Arbeitnehmer seines Betriebs. Was er für sich nimmt, ist eine Entnahme und läuft über das Privatkonto, nicht über die Kosten. Die BWA zeigt deshalb das Ergebnis vor seinem Lohn.
Wie hoch setze ich den Unternehmerlohn an?
Es gibt keine vorgeschriebene Höhe. Üblich ist das Bruttogehalt eines angestellten Meisters in vergleichbarer Stellung plus rund 20 Prozent Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung. Die LGH rechnet für Dachdecker je Inhaber mit 56.000 bis 73.000 Euro im Jahr.
Gilt das auch für eine GbR?
Ja. Bei GbR und OHG teilen sich die Gesellschafter das Ergebnis, und keiner von ihnen steht in den Personalkosten. Der Ansatz zählt je mitarbeitendem Gesellschafter, halbtags zur Hälfte.
Ist ein Betriebsergebnis von 22 Prozent gut?
Ohne Rechtsform ist die Zahl nicht lesbar. Bei einer GmbH liegt sie nach dem Gehalt des Geschäftsführers, beim Einzelunternehmen davor. Erst nach Abzug des Unternehmerlohns lassen sich beide nebeneinanderlegen.
Was heißt es, wenn nach dem Unternehmerlohn ein Minus steht?
Der Betrieb hat im Zeitraum weniger verdient, als ein angestellter Meister gekostet hätte. Das ist eine Zahl, kein Urteil, und bei Kleinbetrieben im LGH-Vergleich der Durchschnitt. Woran es liegt, steht eine Zeile weiter oben: an der Leistung, am Rohertrag oder an den festen Kosten.
Konstanze prüft auf frag-konstanze.de die Summen Ihrer BWA, ordnet die Zahlen in sechs Sätzen ein und fragt nach dem, was nicht im Blatt steht. Die Rechnung mit Ihrem Lohn machen Sie vorerst mit dem Stift.
Quellen
Alle abgerufen am 25.10.2026.
- LGH, Landes-Gewerbeförderungsstelle des nordrhein-westfälischen Handwerks: Betriebsvergleich Dachdeckerhandwerk 2019, Düsseldorf, November 2020 (Musterexemplar). https://www.kmu-berater.de/wp-content/uploads/muster-exemplar.pdf
- Töpfer, Reher, Meub: Lohnnebenkosten und ihre Bedeutung für Handwerksunternehmen. ifh Forschungsbericht 35, Göttingen 2025, Datenbasis ZDH-Strukturumfrage 2025. https://ifh.wiwi.uni-goettingen.de/site/assets/files/11609/ifh-fb_35_2025.pdf
- IG Metall: Tarifübersicht Sanitär, Heizung, Klima 2026, Löhne und Gehälter Meister. https://www.igmetall.de/dam/jcr:ed2a6606-d983-4751-b4b6-bf19e24127ae/20260724_Sanit%C3%A4r_Heizung_Klima_Loehne_Gehaelter_Meister_Azubis_AZ_Urlaub_SZ_VWL.adf1e40847c186f6017afd60e6366dca.pdf
- OnlineBilanz: BWA der GmbH (Geschäftsführergehalt als Betriebsausgabe, Inhaberlohn beim Einzelunternehmen nicht in der BWA). https://onlinebilanz.de/?p=63275
- firma.de: Kalkulatorischer Unternehmerlohn, Definition und Berechnung. https://www.firma.de/unternehmensfuehrung/kalkulatorischer-unternehmerlohn-definition-berechnung/
- Die Beispielzahlen des Dachdeckerbetriebs sind erfunden. Die GmbH-Zahlen stammen aus der synthetischen Muster-BWA 01 von Konstanze (Elektrobetrieb, Dezember 2025).