Durchgearbeitet, und es ist weniger
Oktober-BWA, Schreinerei, Einzelunternehmen: die Meisterin, zwei Gesellen, ein Azubi. Umsatz Januar bis Oktober 340.000 Euro, etwas mehr als im Vorjahr. Vorläufiges Ergebnis 64.000 Euro, im Vorjahr standen da 73.000.
Erster Gedanke: Kein freier Samstag seit Ostern, und es ist weniger.
Das Jahr hatte eine Einbauküche nach der anderen, zwei Ladeneinrichtungen, eine Treppe, und im März kam die CNC. Die BWA zeigt, was von alldem im Betrieb geblieben ist. Welcher Auftrag das Ergebnis gekostet hat, zeigt sie nicht.
Was Konstanze in der BWA einer Schreinerei liest
Die Materialquote, also Material-/Wareneinkauf geteilt durch Gesamtleistung, gegen das Vorjahr. Platten, Beschläge, Fronten und Oberfläche sind nach den Löhnen der größte Posten, und jeder große Auftrag verschiebt die Quote.
Die Zeile Bestandsveränderung. In einer Schreinerei steht immer etwas halbfertig. Steht die Zeile auf null, ist das Ergebnis zu niedrig, und Konstanze fragt nach dem Material in den offenen Aufträgen.
Abschreibungen und Zinsen. Stehen die Abschreibungen unterjährig auf null, ist das Ergebnis zu gut, und Konstanze sagt, um wie viel.
Der Lohn der Inhaberin. Vier von fünf Tischlereien haben weniger als zehn Leute, die meisten sind Einzelunternehmen oder GbR, und dort steht der Lohn in keiner Zeile. Konstanze sagt das, bevor sie das Ergebnis einordnet.
Dazu die Kennzahlen gegen das Vorjahr, sechs Sätze zur Lage und die Fragen für das nächste Gespräch mit dem Steuerbüro. Nach etwa einer Minute.
Die BWA kennt die Summe aller Platten, aber keine Küche
In der Oktober-BWA steht Material-/Wareneinkauf bei 41 Prozent der Gesamtleistung. Im Vorjahr waren es 37.
Der Umsatz ist um 15.000 Euro gewachsen, das Material um 19.000. Der Rohertrag, also was nach Material und Fremdleistungen bleibt, ist kleiner als im Vorjahr. Bei mehr Arbeit.
Das Finanzamt rechnet in dieser Umsatzklasse im Mittel mit 42 Prozent Material. Die Schreinerei lag im Vorjahr darunter und liegt jetzt in der Mitte. Das ist kein Alarm. Es ist eine Frage: welche Aufträge?
Die BWA beantwortet sie nicht. Ob die Küche aus dem Juni, die Ladeneinrichtung aus dem August oder die Treppe das Geld gekostet hat, weiß nur die Nachkalkulation. Und die macht in einer Werkstatt mit vier Leuten oft niemand.
Die Küche aus dem Juni, nachgerechnet: Von 18.000 Euro bleiben 9.000 für die eigenen Stunden. Das Material war wie kalkuliert. Die Stunden nicht.
Kalkuliert waren 110 Stunden, auf den Zetteln standen am Ende 150. Aus 82 Euro je Stunde wurden 60.
Die BWA kennt die Summe aller Platten, aber keine Küche.
Die 40 Stunden zu viel stehen in keiner Zeile der BWA. Die Gesellen waren bezahlt, so oder so, und die Personalkosten sind wie im Vorjahr. Die Stunden fehlen beim Auftrag, der in dieser Zeit nicht gebaut wurde. In der Einzelfertigung ist das der Unterschied zwischen einem guten und einem schlechten Jahr, und er steht auf dem Stundenzettel, nicht im Blatt.
Die Platten stehen in der BWA, die Küche noch nicht
Im Oktober kamen die Platten für zwei Schrankwände und eine Küche, zusammen 14.000 Euro Material. Die Möbel stehen halbfertig in der Werkstatt, Montage im November, Rechnung im Dezember.
In der Oktober-BWA steht das Material. Der Umsatz kommt in der Dezember-BWA. Bis dahin sieht der Betrieb schlechter aus, als er ist.
Die Zeile, die das ausgleicht, heißt Bestandsveränderung, bei manchen Steuerbüros „unfertige Erzeugnisse“. In einer Schreinerei ist sie nie null, weil immer etwas halbfertig steht. Viele Steuerbüros buchen sie trotzdem nur im Jahresabschluss, weil der Betrieb monatlich keine Zahl liefert.
Das Vorjahr hilft hier nur bedingt. Im Oktober vor einem Jahr war die Werkstatt fast leer, dieses Jahr steht sie voll. Dann ist ein Teil des Abstands zum Vorjahr kein Verlust, sondern Holz, das noch nicht abgerechnet ist.
Auf dem Konto fehlt das Geld für die Platten dagegen sofort. Wie weit Ergebnis und Konto auseinanderlaufen können, zeigt Gewinn in der BWA, Konto leer.
Die CNC steht in der Werkstatt, nicht in der BWA
Im März kam die CNC, 90.000 Euro, finanziert über die Hausbank. Seitdem geht jeden Monat die Rate vom Konto. In der Oktober-BWA steht in der Zeile Abschreibungen: null.
Die Rate ist keine Kosten. Tilgung ist Geld, das den Betrieb verlässt und in keiner BWA auftaucht. Nur die Zinsen stehen in einer eigenen Zeile. Die Kosten der Maschine heißen Abschreibung: der Kaufpreis, verteilt auf die Jahre, die sie läuft.
Das Steuerbüro der Meisterin setzt zehn Jahre an. Dann fehlen in der Oktober-BWA 6.000 Euro Abschreibung, und das Ergebnis ist um diesen Betrag zu gut.
Ob sich die CNC rechnet, steht ebenfalls nicht in der BWA. Was sie einspart, zeigt sich in kleineren Fremdleistungen, wenn Fräsarbeit nicht mehr außer Haus geht, und in Stunden, die für den nächsten Auftrag frei sind. Beides sieht man erst gegen das Vorjahr.
- Vorläufiges Ergebnis Januar bis Oktober64.000 EUR
- Abschreibung CNC, März bis Oktober, nicht gebucht-6.000 EUR
- Material in halbfertigen Möbeln, nicht gebucht+14.000 EUR
- Ergebnis, wenn beides gebucht wäre72.000 EUR
72.000 statt 64.000. Das Vorjahr hatte im Oktober weder CNC noch volle Werkstatt, und 73.000 im Blatt. Erst jetzt sind die beiden Zahlen vergleichbar.
Das Finanzamt erwartet 17 Prozent
Das Bundesfinanzministerium veröffentlicht jedes Jahr die Richtsatzsammlung: amtliche Spannen für Rohgewinn und Reingewinn je Gewerk, gewonnen aus Betriebsprüfungen. Das Finanzamt verprobt damit, ob die Zahlen eines Betriebs plausibel sind. Für Schreinerei und Tischlerei gibt es drei Umsatzklassen.
Reingewinn ist dort ungefähr das vorläufige Ergebnis der BWA, mit einer Besonderheit: Die Richtsätze unterstellen, dass die Inhaberin unentgeltlich mitarbeitet. Die 17 Prozent sind Lohn, Altersvorsorge und Gewinn zusammen.
Auffällig ist die Stufe. Bis 150.000 Euro Umsatz erwartet das Finanzamt 33 Prozent, über 300.000 noch 17. Je mehr Leute in der Werkstatt, desto mehr vom Umsatz geht an die Gesellen. Nicht unbedingt weniger in Euro für die Inhaberin.
Und davon geht Ihr Lohn ab
Die Schreinerei liegt mit 72.000 Euro bei 21 Prozent von 340.000. Über der Mitte. Dann zieht die Meisterin ab, was eine angestellte Meisterin an ihrer Stelle kosten würde, als Annahme 6.000 Euro im Monat mit Arbeitgeberanteil.
- Ergebnis Januar bis Oktober, bereinigt72.000 EUR
- Meisterlohn, 10 Monate je 6.000 EUR-60.000 EUR
- Bleibt für den Betrieb12.000 EUR
12.000 Euro sind 3,5 Prozent vom Umsatz. Aus diesem Betrag werden die nächste Maschine, die Rücklage und irgendwann die Übergabe bezahlt. Warum der Lohn in keiner Zeile steht, erklärt Ihr Betriebsergebnis ist Ihr Gehalt.
Bei einer GmbH ist das Gehalt schon in den Personalkosten. Dort sind 3,5 Prozent nach dem Geschäftsführergehalt etwas anderes als 17 Prozent davor.
Zwei Zeilen, dann der Stundenzettel
Erstens „Material-/Wareneinkauf“ gegen die Spalte Vorjahr, in Prozent der Gesamtleistung. Liegt die Quote über dem Vorjahr, ist die Frage, welche Aufträge sie bewegt haben. Die Antwort steht auf den Lieferscheinen der drei größten Aufträge, nicht in der BWA.
Zweitens „Bestandsveränderung“ und „Abschreibungen“. Steht eine der beiden auf null, und stehen Möbel halbfertig oder eine neue Maschine in der Werkstatt, fehlt etwas. Einmal zu Ihren Gunsten, einmal nicht.
Dann der Stundenzettel des letzten großen Auftrags neben die Kalkulation. Die Differenz steht in keiner BWA, und sie entscheidet, was der nächste Auftrag kosten muss.
Konstanze geht diese Zeilen bei jeder BWA durch, die Sie hier ablegen, und fragt nach dem, was im Blatt nicht steht.