Bevor Sie den Zahlen glauben: fünf Posten, die in der BWA unterjährig oft fehlen
September-BWA, Trockenbau, zwölf Leute. Betriebsergebnis 54.000 Euro, das beste Jahr seit langem, denkt der Inhaber. Dann bleibt der Blick an einer Zeile hängen: Abschreibungen 0,00.
Im Vorjahr standen dort 18.000.
Der Transporter ist nicht verschwunden, die Maschinen auch nicht. Nur die Buchung fehlt, und sie ist nicht die einzige. Eine betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA) vor dem Jahresabschluss lässt fast immer Posten aus, und fast alle wirken in dieselbe Richtung: Das Ergebnis sieht besser aus, als es im Abschluss sein wird.
Zuerst die Frage, ob der Monat überhaupt fertig ist
Wer beruflich fremde BWAs liest, prüft zuerst die Vollständigkeit, wie in Ein Betriebsberater liest eine fremde BWA in sieben Blicken. Zwei Blicke reichen.
Der erste geht auf das Erstelldatum im Fuß. Eine September-BWA vom 3. Oktober kann die Sammelrechnung des Großhändlers vom Monatsende noch nicht enthalten. Als Richtwert nennt onlinebilanz.de den 15. des Folgemonats.
Unsere BWA trägt den 14. Oktober. Das passt.
Der zweite Blick geht auf die Zeile „Gesamtkosten“ im Monat gegen die Vormonate. Liegen sie bei normalem Umsatz 40 Prozent unter dem Schnitt, fehlen eher Rechnungen, als dass der Betrieb plötzlich günstiger arbeitet. Beim Trockenbauer liegen sie im Rahmen.
Der September ist also lesbar. Eine Nachfrage bleibt trotzdem: Sind alle Eingangsrechnungen und die Lohnabrechnung gebucht?
Eine Null, die 13.500 Euro kostet
Zurück zur Zeile Abschreibungen. Viele Steuerbüros buchen sie einmal im Jahr, mit dem Abschluss. Bis dahin steht in Monatsspalte und kumulierter Spalte 0,00, nur die Spalte Vorjahr verrät die Zeile.
Ein Betriebsberater der Handwerkskammer Oldenburg sagt dazu, man arbeite dann „das ganze Jahr mit verzerrten Werten“.
Verzerrt heißt beim Trockenbauer: Das Vorjahr hatte 18.000 Euro Abschreibungen, also 1.500 je Monat. Neun davon fehlen.
- Betriebsergebnis September, kumuliert54.000 EUR
- Abschreibungen, neun Zwölftel vom Vorjahr-13.500 EUR
- Betriebsergebnis mit Abschreibungen40.500 EUR
Ein Viertel des Ergebnisses, weg mit einer Buchung, die noch kommt.
Wer Fahrzeuge und Maschinen least, hat kaum Abschreibungen. Dann ist auch die Spalte Vorjahr klein, und die Null ist keine Lücke.
Der Umsatz folgt der Schlussrechnung, nicht der Arbeit
Seit August steht der Trockenbauer mit vier Leuten in einem Bürogebäude, Auftrag 60.000 Euro. Die Schlussrechnung geht im Oktober raus. In der September-BWA stehen dafür rund 28.000 Euro Löhne und Material, und kein Umsatz.
Im Bau entsteht der Erlös buchhalterisch erst mit Abnahme und Schlussrechnung. Die Zeile, die das ausgleicht, heißt „Bestandsveränderungen“ und steht direkt unter den Umsatzerlösen. Sie schreibt die halbfertige Arbeit dem Monat gut, in dem sie geleistet wurde.
Beim Trockenbauer steht sie das ganze Jahr auf 0,00.
Halbfertige Arbeit macht das Ergebnis zu schlecht, die Schlussrechnung macht es zu gut.
Das ist die einzige der fünf Lücken, die in beide Richtungen wirkt: Der September ist zu schlecht, der Oktober wird zu gut. Erst die kumulierte Spalte gleicht das aus.
Der Berater aus Oldenburg sagt: „Wer die Bestandsveränderung nicht bucht, erhöht die Schwankungen zwischen den einzelnen Monaten.“ In der Jahresübersicht springt der Umsatz dann von Monat zu Monat um mehr als 40 Prozent, die Personalkosten bleiben gleich.
Die Sparkasse Hameln-Weserbergland bittet bei fehlender Bestandsveränderung selbst um eine Schätzung. Das weiß Ihr Steuerbüro: Werden halbfertige Arbeiten monatlich gebucht oder erst zum Jahresabschluss?
In einer Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR) gibt es die Zeile nicht, und ein Kundendienstbetrieb mit Aufträgen von zwei Tagen braucht sie kaum.
Zinsen kommen alle drei Monate
Die Zeile „Zinsaufwand“ steht unter dem Betriebsergebnis. Banken rechnen Darlehenszinsen oft zum Quartalsende ab, viele Steuerbüros buchen sie im Monat der Abrechnung. In der Jahresübersicht: null, null, ein Betrag, null, null, ein Betrag.
Beim Trockenbauer stehen im März und im Juni je 1.600 Euro.
Das dritte Quartal kommt mit der Oktober-BWA.
Das Vorjahr hatte 6.400 Euro Zinsen für zwölf Monate. Anteilig bis September wären das 4.800.
Gebucht sind 3.200. Das Ergebnis ist um 1.600 Euro zu gut, der kleinste der fünf Posten.
Was die Zeile nie zeigt, ist die Tilgung, mehr dazu in Gewinn in der BWA, Konto leer.
Der Januar zahlt die Versicherung für elf andere Monate
In der Januar-Spalte des Trockenbauers stehen 9.600 Euro Versicherungen, der Beitrag für das ganze Jahr. Verteilt wären das 800 je Monat. Der Januar war zu schlecht, jeder Monat seither ist etwas zu gut, erst der Dezember gleicht das aus.
Dasselbe Muster haben Berufsgenossenschaft, Kammer, Innung und die Kfz-Steuer, die bei DATEV meist unter „Sonstige Steuern“ steht. Die Gründerplattform von BMWK und KfW rät, Versicherungen auf zwölf Monate zu verteilen.
Das größte Stück kommt im November.
Dann zahlt der Trockenbauer Weihnachtsgeld. Im Vorjahr sprangen die Personalkosten da von 36.000 Euro im Schnitt auf 48.600, ein Drittel mehr, ohne dass ein Lohn gestiegen wäre.
Eine Frage für das nächste Gespräch mit dem Steuerbüro: Welche Jahresbeträge werden auf die Monate verteilt, und welche stehen im Zahlungsmonat?
Rückstellungen haben keine Zeile
Und kommen trotzdem.
Resturlaub landet im Abschluss in den Personalkosten, Gewährleistung, Abschlusskosten und die Nachzahlung an die Berufsgenossenschaft in den Sonstigen Kosten, meist im Dezember oder im Monat 13, dem Buchungsmonat des Abschlusses.
Rückstellungen würden „je nach Buchungsstand abgebildet oder fehlen“, schreibt onlinebilanz.de. Als Faustregel nennt das Portal 10 bis 30 Prozent, um die Abschlussbuchungen das Ergebnis einer Dezember-BWA verändern können.
Wie viel es beim Trockenbauer wird, sagt die September-BWA nicht. Den Hinweis gibt der Dezember des Vorjahres, wo Personal- oder Sonstige Kosten springen wie sonst nie. Welche Rückstellungen der letzte Abschluss gebildet hat, weiß das Steuerbüro.
Als Größenordnung aus der Beratungspraxis, kein Statistikwert, gelten 1 bis 3 Prozent der Gesamtleistung.
Beim Trockenbauer, 720.000 Euro Gesamtleistung bis September, beginnt das bei 7.200 Euro.
Mit dieser Untergrenze und allem, was bis hier zusammenkam:
Rund 31.700 Euro statt 54.000. Zwei Fünftel des Ergebnisses standen nur auf dem Blatt, weil drei Buchungen noch nicht da waren.
Die Bestandsveränderung fehlt in dieser Rechnung, weil sie in die andere Richtung zeigt. Die Baustelle im Bürogebäude gäbe dem September etwas zurück, wie viel, weiß nur das Steuerbüro.
Was Sie Ihr Steuerbüro fragen
Für die eigene BWA reichen vier Zeilen und die Spalte Vorjahr.
- Legen Sie die aktuelle BWA neben die Dezember-BWA des Vorjahres und vergleichen Sie Abschreibungen, Bestandsveränderungen, Zinsaufwand und Versicherungen/Beiträge. Steht eine Zeile dieses Jahr auf 0,00 und im Vorjahr nicht, ist das die erste Frage.
- Teilen Sie den Vorjahresbetrag durch zwölf, nehmen Sie ihn mal die Zahl der Monate und ziehen Sie ihn vom Betriebsergebnis ab. Diese Zahl liegt näher am Abschluss als die Zeile auf dem Blatt.
- Für das nächste Gespräch drei Fragen: Können Abschreibungen, Zinsen und Jahresbeträge monatlich anteilig gebucht werden? Können halbfertige Arbeiten monatlich geschätzt werden? Welche Rückstellungen kamen im letzten Abschluss dazu?
Bei Einzelunternehmen und Personengesellschaften fehlt danach noch Ihr eigenes Gehalt, das in keiner BWA steht, mehr in Ihr Betriebsergebnis ist Ihr Gehalt. Was beim Lesen sonst schiefgeht, steht in Die 10 häufigsten Fehler beim Lesen einer BWA.
Häufige Fragen
Warum stehen die Abschreibungen in meiner BWA auf null?
Viele Steuerbüros buchen die Abschreibungen einmal im Jahr, mit dem Abschluss. Bis dahin ist das Betriebsergebnis um den anteiligen Jahresbetrag zu gut. Die Spalte Vorjahr zeigt, wie viel das etwa ist.
Wie weit liegt eine Dezember-BWA vom Jahresabschluss entfernt?
Als Faustregel nennt onlinebilanz.de 10 bis 30 Prozent Abweichung durch Abschlussbuchungen. Wie viel es bei Ihnen ist, zeigt die letzte Dezember-BWA neben dem fertigen Abschluss desselben Jahres.
Ist eine unterjährige BWA dann überhaupt brauchbar?
Ja, wenn Sie wissen, was fehlt. Die kumulierte Spalte gegen das Vorjahr gleicht viele Schwankungen aus, und vier Zeilen sind in zwei Minuten verglichen.
Konstanze prüft bei jeder BWA, die Sie auf frag-konstanze.de ablegen, zuerst die Summen und fragt dann nach dem, was fehlt: Abschreibungen, Bestandsveränderung, Zinsen.
Quellen
Alle abgerufen am 25.10.2026.
- Jörg Wiebking mit Cord-Christian Körner (Betriebsberater, Handwerkskammer Oldenburg): „10 Tipps: So wird die BWA zum Frühwarnsystem“, handwerk.com, 06.11.2024: https://handwerk.com/steuern-und-finanzen/10-tipps-so-wird-die-bwa-zum-fruehwarnsystem
- Gründerplattform (BMWK/KfW): „BWA lesen“: https://gruenderplattform.de/unternehmensfuehrung/bwa-lesen
- onlinebilanz.de: „BWA“ (Buchungsstand, Richtwert 15. des Folgemonats): https://onlinebilanz.de/bwa/
- onlinebilanz.de: „BWA und Jahresabschluss“ (Faustregel 10 bis 30 %): https://onlinebilanz.de/bwa-jahresabschluss/
- onlinebilanz.de: „BWA-Liquidität: Unterdeckung deuten“ (Rückstellungen je nach Buchungsstand): https://onlinebilanz.de/bwa-liquiditaet-ueber-unterdeckung-deuten/
- Bauprofessor: „Umsatzerlöse Bauunternehmen“: https://www.bauprofessor.de/umsatzerloese-bauunternehmen/
- Haufe: „Betriebswirtschaftliche Auswertungen: Aufbau, Zeilen“ (Bestände unterjährig buchen): https://www.haufe.de/id/beitrag/betriebswirtschaftliche-auswertungen-so-werden-diese-ge-311-aufbau-zeilen-HI13364986.html
- Sparkasse Hameln-Weserbergland: „Hinweise zu einzureichenden Unterlagen“ (Schätzung der Bestandsveränderung): https://www.spkhw.de/content/dam/myif/sk-hameln-weserbergland/work/dokumente/pdf/eigene/hinweise-unterlagen.pdf