Konstanze
BWA-Blatt auf einem Durchschlag, der Monatswert 52.000 ist rot eingekringelt, am Rand steht: kumuliert lesen Juli Jan bis Jul Umsatzerlöse Personalkosten Betriebsergebnis 112.000 598.000 41.000 287.000 52.000 34.000 kumuliert lesen

Die 10 häufigsten Fehler beim Lesen einer BWA

Juli-BWA eines Ausbaubetriebs mit acht Leuten. Unten steht ein Betriebsergebnis von 52.000 Euro. Der Inhaber blättert zur Juni-BWA zurück, da stand minus 18.000.

Beide Zahlen stimmen. Keine von beiden sagt etwas.

Die betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA) ist ein Zwischenstand der Buchhaltung, kein Kontoauszug, und fast jeder Lesefehler kommt daher, dass man sie wie einen liest.

1. Der Einzelmonat zeigt, wann Sie abgerechnet haben

Die DATEV-BWA hat zwei Wertspalten, den Monat und daneben die kumulierte, bei einer Juli-BWA überschrieben mit Januar bis Juli. Der Inhaber hat bisher nur die linke gelesen.

Im Juni lief die große Baustelle, abgerechnet wurde sie im Juli. Der Umsatz folgt im Ausbau der Schlussrechnung, die Löhne folgen dem Kalender.

  1. Umsatz Juni38.000 EUR
  2. Umsatz Juli112.000 EUR
  3. Personalkosten je Monat41.000 EUR
  4. Betriebsergebnis Juni-18.000 EUR
  5. Betriebsergebnis Juli52.000 EUR
  6. Januar bis Juli, kumulierte Spalte34.000 EUR

Beide Monate sind dieselbe Baustelle.

Die 34.000 Euro sind die Zahl, auf die sich eine Aussage stützen kann. Die 52.000 sagen, dass im Juli eine Schlussrechnung rausging. Ob auch der Einzelmonat die Leistung zeigt, hängt an einer Zeile: Bucht das Steuerbüro halbfertige Arbeiten monatlich in „Bestandsveränderungen“ ein, dann steht im Juni, was geleistet wurde, und nicht, was abgerechnet wurde. Wie ein Betriebsberater die beiden Spalten in dieser Reihenfolge liest, steht in Ein Betriebsberater liest eine fremde BWA in sieben Blicken.

2. Der Vormonat lügt

Zurück ins Frühjahr, Februar-BWA desselben Betriebs. Umsatz 44.800 Euro, im Januar waren es 64.000.

Minus 30 Prozent, und der erste Gedanke war: Was ist da los?

Nichts. Es war Februar.

Eine Spalte weiter rechts stand der Februar vom Vorjahr: 46.700 Euro. Der Betrieb lag 4 Prozent darunter, das ist Rauschen.

Der Vormonat hatte ein anderes Wetter. Der Vorjahresmonat hatte dasselbe.

Ein Betriebsberater der Handwerkskammer Oldenburg rät deshalb, Monate mit den Vorjahreswerten zu vergleichen, die denselben saisonalen Schwankungen unterlagen. Fehlt in Ihrer BWA die Spalte Vorjahr, ersetzt sie der Monatsschnitt: kumulierte Spalte geteilt durch die Zahl der Monate. Liegt Ihr Monat auch unter dem Vorjahresmonat, oder nur unter dem Vormonat?

Rechenstreifen „Umsatz in EUR“: Januar 64.000, Februar 44.800, Februar Vorjahr 46.700, daneben mit Bleistift minus 30 % und minus 4 %, die minus 4 % sind eingekringelt Umsatz in EUR Januar Februar Februar Vorjahr 64.000 44.800 46.700 -30 % -4 %

3. Die Dezember-BWA ist nicht das Jahresergebnis

Oben auf dem Blatt steht „Dezember“ oder „Monat 12“. Der Inhaber hat dieses Blatt jeden Januar als Jahresergebnis gelesen.

Es ist der Stand davor.

Die Abschlussbuchungen kommen danach, bei DATEV oft in einem eigenen „Monat 13“: Rückstellungen für Resturlaub, Gewährleistung und Abschlusskosten, dazu die Bewertung von Vorräten und Forderungen. Ein Anbieter für Online-Steuerberatung nennt als Faustregel 10 bis 30 Prozent Abstand zwischen Dezember-BWA und Jahresabschluss.

Ob das Blatt vor oder nach diesen Buchungen steht, weiß das Steuerbüro mit einem Wort. Kommt noch ein Monat 13?

4. Die Prozentspalten rechnen auf die Gesamtleistung, nicht auf den Umsatz

Rechts neben den Beträgen stehen in der DATEV-BWA bis zu vier Prozentspalten: „% Ges.-Leistg.“, „% Ges.-Kosten“, „% Pers.-Kosten“ und „Aufschlag“. Der Inhaber vergleicht seine Materialquote mit der ersten. Seine eigene Quote hat er im Kopf auf den Umsatz gerechnet.

Die Spalte rechnet auf die Gesamtleistung, also Umsatz plus Bestandsveränderungen. Das ist eine andere Zahl.

Mit runden Zahlen:

  1. Gesamtleistung412.000 EUR
  2. davon Umsatz389.000 EUR
  3. Material148.000 EUR
  4. Material je Gesamtleistung35,9 %
  5. Material je Umsatz38,0 %
  6. Unterschied2,1 Prozentpunkte, rund 8.700 EUR

Wer die eigene Quote auf den Umsatz rechnet und mit der Spalte vergleicht, sieht einen Materialanstieg, den es nicht gibt. Welche Basis steht über der Spalte, die Sie gerade lesen?

5. In der Zeile Material-/Wareneinkauf steht, was geliefert wurde

Die Zeile heißt „Material-/Wareneinkauf“, und so ist sie gemeint. Ohne Lagerbuchung landet jede Lieferantenrechnung im Monat ihres Eingangs als Kosten, verbaut oder nicht. Die Gründerplattform von Bundeswirtschaftsministerium und KfW beschreibt es so: Die Rechnungen werden gebucht, wie sie eingehen.

Der Inhaber kennt das aus dem März. Da standen bei ihm 48 Prozent Material, über das Jahr liegt er bei 35.

Das waren 33.600 Euro Einkauf auf 70.000 Euro Gesamtleistung. Der Rohertrag, also Gesamtleistung minus Material und Fremdleistungen, sah im März um rund 9.100 Euro zu schlecht aus. Das sind die 13 Prozentpunkte.

Dann war der März kein schlechter Monat, sondern ein Monat mit Lieferung.

6. Eine Null bei den Abschreibungen macht das Ergebnis zu gut

Zeile „Abschreibungen“, Juli-BWA: 0 Euro. Spalte Vorjahr: 24.000 Euro. Der Inhaber hat die Null bisher übersehen.

Eine Null fällt nicht auf. Das ist ihr Problem.

Viele Steuerbüros buchen Abschreibungen einmal, im Jahresabschluss. Bis dahin fehlen im Juli sieben Zwölftel, rund 14.000 Euro, und um diesen Betrag ist das Betriebsergebnis zu hoch. Von den 34.000 Euro aus der kumulierten Spalte bleiben also rund 20.000. Dasselbe Muster gilt für Zinsen, die manche Banken nur quartalsweise abrechnen. Ein Betriebsberater der Handwerkskammer Oldenburg sagt dazu, man arbeite dann das ganze Jahr mit verzerrten Werten.

Was Sie sonst noch vor jeder Deutung an Ihrer BWA nachsehen, steht in Bevor Sie den Zahlen glauben.

7. Sonstige Kosten als größter Block sind keine Auskunft

Weiter unten die Zeile „Sonstige Kosten“. Der Inhaber liest sie jeden Monat und könnte nicht sagen, was darin steckt.

Bei einem Tischler, zum Vergleich, stehen dort 84.000 Euro bei 280.000 Gesamtkosten. Das sind 30 Prozent, mehr als Raum, Fahrzeuge und Versicherungen zusammen. Als Faustregel gilt: Ab einem Viertel der Gesamtkosten sagt die Zeile nichts mehr darüber, wofür das Geld ausgegeben wurde.

Im Handwerk sammeln sich dort Werkzeug und Kleingeräte, Telefon, Beratung, Leasing für Maschinen, Entsorgung.

Der Kontennachweis zur BWA listet sie einzeln auf. Die drei größten Konten reichen meist für ein Bild.

8. Das Betriebsergebnis eines Einzelunternehmens enthält noch Ihren Lohn

Der Ausbaubetrieb ist ein Einzelunternehmen. In den Personalkosten stehen acht Leute, der Inhaber nicht.

Bei einer GmbH steht das Gehalt des Geschäftsführers in der Zeile „Personalkosten“. Beim Einzelunternehmen und bei der GbR steht der eigene Lohn nirgends, der Inhaber lebt von Entnahmen aus dem Ergebnis.

In seiner Dezember-BWA vom Vorjahr standen 72.000 Euro Betriebsergebnis. Ein angestellter Meister hätte den Betrieb 66.000 Euro im Jahr gekostet. Bleiben 6.000 Euro, die der Betrieb über den Lohn seines Inhabers hinaus verdient hat.

Dieselbe Zahl heißt bei einer GmbH etwas anderes als bei einem Einzelunternehmen.

Steht Ihr eigener Lohn in den Personalkosten? Wenn nicht, was bleibt nach seinem Abzug? Die ganze Rechnung steht in Ihr Betriebsergebnis ist Ihr Gehalt.

9. Das neutrale Ergebnis kann das halbe Ergebnis sein

Unter dem Betriebsergebnis kommen drei Zeilen: „Zinsaufwand“, „Neutrales Ergebnis“, „Vorläufiges Ergebnis“. Im neutralen Ergebnis landet alles, was nicht aus dem laufenden Geschäft kommt: der Verkauf eines alten Transporters, eine Versicherungsentschädigung, ein Zuschuss, eine Steuererstattung.

Im April hatte der Inhaber den alten Transporter verkauft. Unten stand ein vorläufiges Ergebnis von 21.000 Euro, und der April sah aus wie ein guter Monat.

Davon waren 14.000 Euro der Transporter. Was Ausbauarbeit verdient hatte, das Betriebsergebnis, lag bei 7.000.

Unteres Ende eines BWA-Blatts: Betriebsergebnis 7.000, Neutrales Ergebnis 14.000, Vorläufiges Ergebnis 21.000 mit Doppellinie, die 14.000 sind eingekringelt, am Rand steht mit Bleistift „Transporter verkauft“ Betriebsergebnis7.000 Neutrales Ergebnis14.000 Vorläufiges Ergebnis21.000 Transporter verkauft

Einen Transporter verkauft man einmal.

Die Gründerplattform schreibt dazu, das Ergebnis vor Steuern sei nicht allein das operative Geschäft. Steht bei Ihnen im neutralen Ergebnis mehr als ein Drittel des vorläufigen Ergebnisses? Dann lohnt der Blick, was es ist.

10. Von der letzten Zeile gehen Tilgung, Steuern und Entnahmen noch ab

Die letzte Zeile heißt „Vorläufiges Ergebnis“, und vorläufig ist sie in zwei Richtungen. Der Jahresabschluss kommt noch. Und drei Abflüsse stehen in keiner BWA.

Die Tilgung an die Bank fehlt, weil sie eine Schuld verringert und kein Aufwand ist. Die Einkommensteuer fehlt, weil sie Privatsache des Inhabers ist. Die Entnahmen fehlen, weil sie kein Aufwand des Betriebs sind.

Der Inhaber rechnet das Jahr hoch. Seine Rate an die Bank liegt bei 1.500 Euro im Monat, im Blatt stehen davon nur die Zinsen.

  1. Vorläufiges Ergebnis, aufs Jahr gerechnet48.000 EUR
  2. Tilgung, 12 mal 1.200 EUR-14.400 EUR
  3. Entnahmen-36.000 EUR
  4. Auf dem Konto, vor Steuern-2.400 EUR

Ein Jahr mit Gewinn, und am Ende liegt weniger auf dem Konto als am Anfang.

Wie hoch ist Ihre Rate, und wo in der BWA steht sie? Warum Gewinn und Kontostand auseinanderlaufen, steht in Gewinn in der BWA, Konto leer.

Drei Lesegänge mit Ihrer eigenen BWA

Legen Sie die letzte BWA neben die vom Vorjahresmonat.

Erster Gang, die Spalten. Lesen Sie Gesamtleistung und Betriebsergebnis nur in der kumulierten Spalte, daneben in der Spalte Vorjahr kumuliert.

Zweiter Gang, drei Zeilen: Abschreibungen, Bestandsveränderungen, Zinsaufwand. Steht eine davon dieses Jahr auf null und im Vorjahr nicht, ist das die erste Frage an Ihr Steuerbüro.

Dritter Gang, die unteren Zeilen: Betriebsergebnis, Neutrales Ergebnis, Vorläufiges Ergebnis. Beim Einzelunternehmen ziehen Sie Ihren eigenen Lohn vom Betriebsergebnis ab, und neben das vorläufige Ergebnis schreiben Sie die Jahrestilgung und Ihre Entnahmen.

Häufige Fragen

Welche Spalte der BWA ist die richtige?

Für eine Aussage über den Betrieb die kumulierte Spalte, bei einer Juli-BWA also Januar bis Juli. Der Einzelmonat zeigt, wann abgerechnet wurde. Wer beide liest, sieht Leistung und Abrechnung getrennt.

Was ist der Unterschied zwischen Betriebsergebnis und vorläufigem Ergebnis?

Das Betriebsergebnis ist Gesamtleistung minus Material und alle Betriebskosten, also das, was die Arbeit verdient hat. Darunter kommen Zinsen und das neutrale Ergebnis, etwa ein Fahrzeugverkauf, dazu. Das Ergebnis dieser Rechnung heißt vorläufiges Ergebnis.

Warum steht die Tilgung nicht in der BWA?

Die Tilgung verringert eine Schuld, sie ist kein Aufwand. Deshalb taucht von der Bankrate nur der Zinsanteil in der BWA auf. Die Tilgung sehen Sie im Kontoauszug und im Tilgungsplan der Bank.

Ist die Dezember-BWA das Jahresergebnis?

Nein, sie ist der Stand vor den Abschlussbuchungen. Rückstellungen, Bewertungen und Abgrenzungen kommen danach, oft in einem eigenen Monat 13. Als Faustregel liegen Dezember-BWA und Jahresabschluss 10 bis 30 Prozent auseinander.

Konstanze prüft bei jeder BWA, die Sie auf frag-konstanze.de ablegen, zuerst die Summen, schreibt dann sechs Sätze Einordnung und fragt nach dem, was im Blatt fehlt.

Quellen

Alle abgerufen am 25.10.2026.

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